Das Pfarrbuch


Das Pfarrbuch der Gemeinde Weisslingen auf Seite 563/564 aufgeschlagen (Staatsarchiv Zürich)  Bild: Archiv Historischer Verein
Das Pfarrbuch der Gemeinde Weisslingen auf Seite 563/564 aufgeschlagen (Staatsarchiv Zürich) Bild: Archiv Historischer Verein

Das Pfarrbuch umfasst die Tauf-, Ehe- und Totenregister der Gemeinde Weisslingen von der Reformation bis zum Inkrafttreten des Eidg. Zivilstandsgesetzes (1876). Die Einführung der Pfarrbücher wurde vom Zürcher Rat am 30. Mai 15 26 beschlossen. Mit der Führung von Tauf- und Eheregistern wollte die Obrigkeit unter anderem die Täufer- und Sittenprobleme besser in den Griff bekommen. Es sei von Vorteil, „dass man wüsse, wer elich bi einander sitze oder nit, dass man dieselben möge triben zuo dem Kilchgang oder aber von einander“, heisst es in einem Ratsprotokoll, auch könne man mit dem Taufregister das Täufertum kontrollieren, „so findt man allweg in dem Buoch, uf wölchen Tag in wölichem Jahr ein jetlicher getouft syge und wer in zum Touf gehept habe“.

Das Taufregister 1535-1749

Erste Seite des Taufregisters vergrössert
Erste Seite des Taufregisters vergrössert

Erste Seite des Taufregisters. Die frühen Tauf- und Eheregister sind zeitgenössische Reinschriften, ihre Einträge fussen auf schriftlichen Notizen oder Rodeln. So auch hier: Der Eintrag wurde von Hch. Messikommer gemacht, der erst ab 1536 Pfarrer in Weisslingen war.

(Staatsarchiv Zürich) Bild: Archiv Historischer Verein Weisslingen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Transkription der ersten drei Einträge von 1535: 

Vater Götti Goten Kind
Jtem jacob scheÿ- (ba)ch von siner ehelichen husfrowen Hans göch Fren burin Kind verena genemptt, getaufftt uf sant bridentag
Jtem dem bartly burÿ von siner hus fruen a?ta. jacob briner Diel genampt Kin jacob getaufftt uf der heren fasnacht
Jtem Hans meÿlÿ von siner husfrauen margret geboren gallis müller Margrett göch Kind madalen  getaufftt uff. Uff dem Palm tag

Das Eheregister 1537-1761

Die erste Seite des Eheregisters.

(Staatsarchiv Zürich) Bild: Archiv Historischer Verein Weisslingen

Transkription der Eintragungen von 1537:

  • Jtem urich walter margrett keffer hand sich bezügett for der kilch uff sontag for santt johaness tag des töiffers in dem jar as man zaltt von der geburtt unsers Heren 1537 jar
  • Jtem jacob wiss und adelheit göch hand sich bezugett for der kilch uf sontag mittfasten in dem iar als man zaltt von der geburtt unsers Heren jesu christÿ 1537 jar
  • Jtem der blesÿ steiner und barbalÿ dickelman Hand sich bezügett  for der kilch uf sontag nach sant gallen tag in dem jar als man zaltt von der geburtt unsers Heren jesu christÿ 1537 jars

Totenregister 1656-1762

 Erste Seite des Totenregisters. Es wurde von Pfarrer Hans Rudolf Wirz angelegt.

 

(Staatsarchiv Zürich) Bild: Archiv Historischer Verein Weisslingen

 

Das Pfarrbuch enthält neben den vorgenannten drei Registern auch viele wertvolle Notizen über wichtige Ereignisse in der Gemeinde: Ehegaumer- und Sigristenwahlen, Hagelwetter, Blitzschlag in den Kirchenturm, Kornvorräte, Verzeichnis der Pfarrer, Amtseinsetzungen der Pfarrer, tödliche Unglücksfälle, Tod von Bürgern in fremdem Diensten, Bestrafung einer Ehebrecherin, Pestepidemie in Weisslingen usw

 

Ausschnitt über die Pest von 1596/1597

Transkription

„Zu wüßen, das der allmächtig Gott die biderben Lüth inn der Pfarr Wÿsling heimgsucht hatt mit einer schwären und strengen Pestilens vom Merzen des 96 Jars an biß widerum inn den Merzen des 97 Jars, inn welicher Zÿt biß inn die 150 Personen, jung und alt, und der meiste Theil uß dem Dorf Wÿslingen sind erzukt worden, und under denselbigen ouch der Pfarrer uff den      Septembr. des 96. Jars,  H. Johanns Jacob Mesikommer.“

(Buchstabenbestand gemäss Vorlage, Gross-/Kleinschreibung modernisiert, Interpunktion teils ergänzt)

Diese Pestepidemie von März 1596 bis März 1597 dürfte im Hauptort Weisslingen ca. 50% der Bevölkerung dahingerafft haben.